Spatenstich für zwei baugleiche KiTas in Ratingen

Pressemitteilung
27.5.2026

Stadt baut jetzt Kitas nach gleichem Plan

Ratingen setzt auf ein einzigartiges Bauprojekt: Zwei baugleiche Kitas entstehen gleichzeitig in den Stadtteilen West und Hösel. Das spart Zeit und Kosten.

Von Andrea Bindmann

West – Gleich im doppelten Sinn krempelten Vertreter der Stadt Ratingen, der Baufirma und die Architektin die Ärmel hoch: Der Spatenstich an der Gothaer für gleich zwei Gebäude in unterschiedlichen Stadtteilen und die Sonne meinte es außerordentlich gut an diesem Tag. Zum ersten Mal bringt die Stadt Ratingen gleich zwei baugleiche Kitas auf den Weg.

Gebaut wird parallel an der Gothaer Straße in West und an der Ludwig-Rosenberg-Straße in Hösel. „Also genau dort, wo wir rechnerisch noch den größten Bedarf haben“, so Bürgermeister Patrick Anders. „Durch diese beiden Bauvorhaben können wir die Kita-Situation in den Stadtteilen Ratingen-West und Hösel entscheidend verbessern. Für unser großes Ziel, in Ratingen eine Bildungslandschaft erster Güte zu schaffen, sind dies Meilensteine.“

Beigeordneter Martin Gentzsch bezeichnet das Projekt als einzigartig in der Ratinger Baugeschichte. „Planung und Bauzeit sind extrem sportlich“, attestiert er. Um mehr Tempo zu machen, ging die Stadt bei der Planung einen neuen Weg. Sie plante und schrieb gleich beide Kitas aus. „Viele Verfahren können so zeitgleich erfolgen. Das spart Zeit“, so Gentzsch.

Während die Verwaltung beim Bau der Heinrich-Schmitz-Schule in Lintorf von vornherein auf Modulbauweise setzte, wurden die beiden Kitas „systemoffen“ ausgeschrieben, wie Stefan Welling von der Stabsstelle für besondere Hochbauprojekte, erklärt. Die Ausschreibung konnte ein Unternehmen sichern, das die Kitas in Massivbauweise errichtet. Die Zeitersparnis halte sich in etwa die Waage, so Welling. Müssten beim Massivbau Trocknungsphasen für verschiedene Baustoffe eingehalten werden, erfordere die Modulbauweise bei der Planung mehr Zeit. Ein Nachbessern ist hier nicht möglich, alles muss genau passen. In diesem Fall wird zwar massiv gebaut, aber Grundriss, Statik, Haustechnik, Schall- und Wärmeschutz sowie Konstruktion sind gleich. Zusätzliches Einsparpotenzial gibt es bei den Baustoffen und der Ausstattung. Diese, so Welling, könnten aufgrund der Menge günstiger beschafft werden.

Architektin Monika Brölingen beschreibt das zukünftige Gebäude. „Die Fassade wird gemauert. Klinker sorgen für entsprechende Wärmedämmung und jedes Gebäude erhält einen Fluchtbalkon, der mit Holz überdacht wird.“ Was Brölingen noch verrät, wird besonders die Herzen der Kinder höherschlagen lassen: „Vom Balkon aus führt eine Rutsche in den Außenbereich.“ Ein paar Unterschiede wird es am Ende aber doch geben. Klinker und Musterung der Außenfassade werden individuell nach der jeweiligen Geländeausprägung und der Umgebungsbebauung ausgerichtet.

In der kommenden Woche sollen die Bagger anrollen und beide Gebäude auf den Weg bringen, die dann zu Beginn des nächsten Kitajahres 2027/2028 bezugsfertig sein sollen. Beide Kitas werden jeweils sechs Gruppen beherbergen und bieten Platz für rund 120 junge Ratinger. Beide Kitas werden übrigens barrierefrei gestaltet, sodass Inklusion hier gelebt werden kann.

Die neue Kita an der Gothaer Straße 19 wird die ehemalige Einrichtung an gleicher Stelle ersetzen, die vor wenigen Jahren abgerissen werden musste. Allerdings wird die neue Kita zwei Gruppen mehr als früher aufnehmen, wodurch sich die Versorgungssituation auch gegenüber dem Stand vor Abriss der alten Kita an der Gothaer Straße verbessern wird. Um das rechnerische Defizit in West vollständig auszugleichen, sind weitere zwei Kitas erforderlich, die aber bereits in Bau oder in Planung sind. In Hösel dagegen kann die Komplett-Versorgung durch den jetzt beginnenden Neubau an der Ludwig-Rosenberg-Straße 8 perspektivisch sichergestellt werden. Zumindest bis das Goldkuhle-Gelände neu bebaut und bezogen ist. Dieses wird für zusätzlichen Bedarf sorgen, weiß Anders.

Jetzt blicken die Verantwortlichen erst einmal optimistisch in die Zukunft. Mit den beiden Einrichtungen kommen sie dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ein bedeutendes Stück – um genau 230 Plätze – näher.

Zwei Ausgangslagen und ein Problem

Zwei völlig unterschiedliche Ausgangslagen führen zum gleichen Problem. Der gesetzlich vorgeschriebene Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ermittelte einen steigenden Bedarf im Stadtteil Hösel. Ganz anders sah es in Ratingen West aus. An der Gothaer Straße musste nach einem Rattenbefall in der früheren Kita komplett neu gebaut werden. Das Gebäude ist inzwischen abgerissen, die insgesamt 78 Kinder sind in anderen Einrichtungen untergebracht. Insgesamt investiert die Stadt Ratingen rund 15 Millionen Euro in die beiden neuen Kitas, davon rund neun Millionen Euro an Eigenmitteln.

Quelle: Rheinische Post, Ausgabe Ratingen, 27.05.2026 – Autorin: Andrea Bindmann – Foto: Achim Blazy